von Alexandra Schwendenwein
Wie demokratisch gehen wir eigentlich mit uns selber um? Auf welche inneren Stimmen hören wir? Welche Stimmen ignorieren wir eher?
Gibt es Anteile, die wir bevorzugen?
Gibt es womöglich Stimmen, die wir unterdrücken?
Mit der folgenden Übung kannst du dir klarer darüber werden, was in dir vorgeht und vielleicht neue, ungewohnte oder leichtere Entscheidungen treffen.
Was du für die Übung brauchst:
Stift, Papier und etwas Raum und Zeit für dich!
Wähle ein Thema bei dem du einen gewissen inneren Konflikt verspürst: Vielleicht fällt dir eine Entscheidung schwer? Vielleicht drehst du dich gedanklich im Kreis? Vielleicht meldet sich ein unangenehmes Körpergefühl?
Wenn du diese Übung das erste Mal machst, wähle ein „einfacheres“ Thema zum Einstieg: Spüre genau hin, was gerade in dir wach ist und schreibe dazu alle Sätze auf, die dir in den Sinn kommen – ohne Zensur!
Die Stimmen aus deinem inneren Parlament dürfen sich diametral widersprechen, ungebärdig sein oder schüchtern, ängstlich oder herrisch. Sie alle bekommen einen Satz oder eine Äußerung. Schreib drauf los!
Wenn du den Eindruck hast, dass alle inneren Anteile zu Wort gekommen sind, gehe nochmals über Deine Sätze und experimentiere:

- Sortiere die Sätze nach „Fraktionen“: welche Stimmen gehören eher zusammen? Wer regiert? Wer ist in Opposition? Welche Koalitionen gibt es?
- Wen vertreten die jeweiligen Stimmen in deinem Parlament? Klingt etwas ganz nach einem Elternteil oder einer anderen Autorität? Klingen manche Sätze vielleicht nach jüngeren Versionen deiner selbst?
- Vielleicht hast du Lust auf folgendes Experiment: lösche alle Konjunktionen wie und/aber/oder – weil/wenn/obwohl etc. und schreibe lauter einzelne Hauptsätze. Was ändert sich dadurch? Z.B: „Ich möchte diesen Job unbedingt, weil ich dort genau das machen kann, was ich möchte.“ Daraus wird: „Ich möchte diesen Job unbedingt. Ich kann (dort) genau das machen, was ich möchte.“
- Wie sieht es mit den Minderheiten-Rechten in deinem Parlament aus? Welche Stimmen berücksichtigst du weniger? Was würde geschehen, wenn du die mal zu Wort kommen lässt, vielleicht sogar auf sie hörst und etwas anderes tust als gewohnt?
- Wenn du die Sätze einige Zeit liegen lässt und dann wieder zur Hand nimmst, was fällt dir auf?
Die Übung kann zu einer Klärungshilfe für zwischendurch werden. Meist sortiert sich einiges, einfach nur, indem du deinen inneren Stimmen Raum gibst.
Wenn alle Fraktionen zu Wort gekommen sind, debattiert und Änderungsvorschläge eingebracht haben, entsteht innerer Konsens: wir kommen ins Reine mit uns selbst.
Diesen Artikel habe ich für den Blog der Akademie für Gruppe und Bildung (AGB) geschrieben siehe auch AGB Impulse – Das innere Parlament
©Alexandra Schwendenwein, Aufstellungsarbeit Wien